K O M P E T E N Z E N S T Ä R K E N
„Nur wenn wir unsere Vielfalt schätzen und nutzen lernen, können wir zukunftsfähig sein.”
zip.EuroCompetence stärkt die interkulturellen Kompetenzen
junger Menschen mit Migrationshintergrund
Von Annika Plank • Interkultur November 2006
Angesichts des zunehmenden Bedarfs an internationalen Schlüsselkompetenzen in Gesellschaft und Berufsleben lädt zip.EuroCompetence junge Menschen mit italienischen, kroatischen und türkischen Wurzeln ein, über intensiven, muttersprachlichen Fach- und Sprachunterricht und Praktika in den jeweiligen Herkunftsländern sich ihrer eigenen interkulturellen Fähigkeiten bewusst zu werden und diese auch auf dem Arbeitsmarkt nutzbar zu machen.
„Menschen mit Migrationshintergrund erleben ihre Sprachkompetenzen oder anderweitigen Kompetenzen oft als defizitär oder es wird ihnen so zurückgespiegelt,“ sagt Studienleiter Norbert Kreuzkamp. „Diese Menschen haben aber natürlich ganz spezifische Kompetenzen, die andere nicht vorweisen können. An diese gilt es anzuknüpfen. Sie können erweitert und vertieft werden, sodass sie nach Möglichkeit auch auf dem Arbeitsmarkt wirksam werden können. Die Muttersprache und der interkulturelle Hintergrund sind eine wichtige Zukunftsessource. Unsere Projekte wollen dazu beitragen, dass sich auf diesem Gebiet wirklich etwas bewegt.“
Das von der italienischen Berufsbildungseinrichtung enaip durchgeführte Projekt zip.EuroCompetence ist Teil eines größeren Projektnetzwerks: In der Entwicklungspartnerschaft zip. („Zukunftsorientierte interkulturelle Personalentwicklungsstrategien“), die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Europäischen Union unterstützt wird, haben sich sieben Akteure aus dem Bildungsbereich im Großraum Stuttgart zum Ziel gesetzt, interkulturelle Ressourcen in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zu fördern, um deren Zukunftsfähigkeit zu verbessern.
Zip.EuroCompetence geht es vor allem darum, die fachlichen, fachsprachlichen und interkulturellen Fähigkeiten junger Menschen, die sich in der Ausbildung befinden oder diese abgeschlossen haben, auszubauen und ihnen über ein Praktikum Arbeitspraxis im jeweiligen Land zu ermöglichen. Abgeschlossen wird die ein- bis zweijährige Ausbildung mit einer Prüfung und einem dreisprachigen Zertifikat, das einem künftigen Arbeitgeber in einem mobilen Europa detailliert beschreibt, welche Qualifikationen sich der Teilnehmer sich in Ausbildung, Projekt und Praktikum erworben hat.
„Zuhause sprechen wir natürlich italienisch. Nachholbedarf habe ich trotzdem beim speziellen Wirtschaftsvokabular. Das bespricht man im Alltag ja nicht so,” meint der 19-jährige Außenhandelskaufmann Marco Vocino, der in Deutschland geboren ist und dessen Eltern aus Italien stammen. „Da ich meine Ausbildung schon fertig habe, kann ich sie über dieses Zertifikat auch in Italien anerkennen lassen. Ich sehe es aber nicht nur als gute Qualifikation für Italien, sondern auch für Deutschland. Wenn ich in eine Firma komme, die Kontakte zu Italien hat, kann ich meine Fähigkeiten einbringen. Das ist gut für die Firma und für mich.”
Die Unterrichtsinhalte sind zwar kaufmännisch orientiert, lassen sich aber auch für andere Berufe nutzbar machen, wie die in Kroatien geborene Marijana-Marijela Planinic meint: „Mir bringt dieser Kurs viel, weil man sich sehr intensiv mit der kroatischen Sprache auseinandersetzt und sich ein umfangreiches berufsorientiertes Wissen aneignen kann. Ich überlege mir, ob ich später nicht in Kroatien als Lehrerin arbeiten will. Das Praktikum ist für mich eine gute Möglichkeit herauszufinden, ob das wirklich eine Perspektive für mich wäre.”
enaip kann auf langjährige Erfahrung zurückblicken. Ursprünglich als italienische Migrantenselbstor-ganisation gegründet, bietet die Initiative seit Anfang der 1990er Jahre transnationale Projekte in Kooperation mit italienischen Unternehmen. Mit zip.EuroCompetence sollen die Erfahrungen nun für neue Zielgruppen erschlossen werden. Neben der italienischen Lernergruppe gibt es jetzt auch eine kroatische Projektgruppe, eine türkische wird gerade aufgebaut. Junge Frauen und Männer mit kroatischem und türkischem Migrationshintergrund sind ab sofort eingeladen, das interessante Angebot von zip.EuroCompetence wahrzunehmen, ihre eigenen Fähigkeiten leben und nutzen zu lernen.
„Wir wollen wissen, was die Menschen bewegt, wo sie herkommen, was sie in ihrem Leben tun wollen”, so Norbert Kreuzkamp. „So kann es gelingen, tatsächlich gemeinsame Lernprozesse in Gang zu bringen. Und das mit viel Wertschätzung und Verantwortung bei allen Beteiligten. So lernen die jungen Leute mit ihren Ausbilderinnen und Ausbildern und ihren Kolleginnen und Kollegen ein Stück mehr, ihr Leben in einem künftigen Europa eigenverantwortlich und respektvoll in die Hand zu nehmen.”
Kontakt:Norbert Kreuzkamp • zip.EuroCompetence • Berufbildungswerk ENAIP e. V. • Mörikestraße 5 • 70178 Stuttgart • Tel: 60 17 46 20 • Fax: 60 17 46 60 • kreuzkamp@enaip.de • www.enaip.de
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Weitere Informationen zu zip.EuroCompetence bei enaip:
- zip.EuroCompetence — Highlights von zip.
- zip.EuroCompetence — Projektabschluss mit Zertifikatsüberreichung
- zip.EuroCompetence — Abschied von zip.
- zip.EuroCompetence — Abschlussprüfungen
- zip.EuroCompetence — EuroPlatform
- zip.EuroCompetence — Unsere Produkte in der Entwicklungspartnerschaft zip.
- zip.EuroCompetence — Unsere transnationalen Produkte
- zip.EuroCompetence — Internationale Fachtagung “Kulturelle Vielfalt als Wettbewerbsvorteil”
- zip.EuroCompetence — Kampagne Vielfalt ist Gewinn
- zip.EuroCompetence — Die EQUAL-Entwicklungspartnerschaft zip.
- zip.EuroCompetence — Interkulturelle Kompetenzen stärken
Weitere Information über die einzelne Projekte:
- Gemeinsamer Internetauftritt der Entwicklungspartnerschaft zip.
der Nationalen Koordination bei BBQ Berufliche Bildung gGmbH
[www.zip-equal.eu].
Weitere Informationen über die Gemeinschaftsinitiative EQUAL:
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